Müller & Sohn ist ein gemeinsames künstlerisches Label von Irene Müller und Diethard Sohn.
Es verbindet zwei eigenständige künstlerische Positionen, ohne sie zu einer gemeinsamen Handschrift zu vereinheitlichen. Irene Müller und Diethard Sohn arbeiten seit 2011 in einem gemeinsamen Atelier in Stuttgart. 2015 gründeten sie das Label Müller & Sohn, das als europäische Marke registriert wurde.
Unter dem Namen Müller & Sohn entstehen gemeinsame Projekte, Arbeiten, Aktionen und Ausstellungen. Gleichzeitig bleiben die individuellen Werkgruppen beider Künstler bestehen. Das Label schafft einen Raum dazwischen: einen Ort, an dem unterschiedliche Arbeitsweisen aufeinandertreffen, sich ergänzen, widersprechen und zu etwas Neuem verbinden können.
Zwei Positionen – ein gemeinsamer Denkraum
Irene Müller arbeitet mit Malerei, Zeichnung, Fotografie und Video. Dokumentarische und technisch erzeugte Bilder – etwa von Webcams, Wildkameras oder Satelliten – werden bei ihr zum Ausgangspunkt einer Auseinandersetzung mit Wahrnehmung, Natur und dem Verhältnis zwischen menschlichem und technischem Blick.
Diethard Sohn kommt von der Malerei und Skulptur. Seine Arbeit bewegt sich zwischen genauer gegenständlicher Beobachtung, malerischer Konstruktion und der bewussten Auflösung vertrauter Bildordnungen.
Im Label Müller & Sohn treffen diese unterschiedlichen Zugänge aufeinander.
Dabei geht es nicht darum, Unterschiede aufzulösen. Gerade die Reibung zwischen den Positionen ist produktiv. Ein gemeinsames Projekt kann aus einem Gespräch entstehen, aus einem Fund, einer Landschaft, einer Beobachtung oder einer zunächst einfachen Versuchsanordnung.
Mal gibt einer den Impuls und der andere führt ihn weiter. Mal entstehen Arbeiten parallel. Mal arbeiten beide unmittelbar an demselben Werk.
Die Autorenschaft wird damit selbst Teil des Experiments.
Kunst als Versuchsanordnung
Viele Projekte von Müller & Sohn verlassen den klassischen Atelierraum.
Landschaften werden begangen, vermessen und markiert. Objekte werden in natürliche Zusammenhänge eingebracht. Kameras beobachten Vorgänge, die sich der unmittelbaren Kontrolle der Künstler entziehen. Fotografie, Film, Malerei und Skulptur dokumentieren nicht einfach ein vorher festgelegtes Ergebnis, sondern begleiten einen offenen Prozess.
Natur erscheint dabei weder als bloßes Motiv noch als romantische Kulisse. Sie wird zum Gegenüber und mitunter selbst zum Akteur.
Besonders deutlich wird dies in den fortlaufenden WEGE-Projekten, in denen Müller & Sohn Landschaft mit eigens entwickelten Markierungen und Versuchsanordnungen untersuchen und deren Veränderung anschließend mit unterschiedlichen Medien weiterbearbeiten.
So bewegen sich die gemeinsamen Arbeiten immer wieder an den Übergängen zwischen Kunst und Beobachtung, Experiment und Inszenierung, Natur und menschlichem Eingriff.
Müller & Sohn
Das Label ist deshalb weniger als Stilbegriff zu verstehen denn als gemeinsamer Arbeitsraum.
Es erlaubt Irene Müller und Diethard Sohn, ihre jeweils eigene künstlerische Arbeit weiterzuführen und zugleich Projekte zu entwickeln, die aus keiner der beiden Positionen allein entstehen könnten.
2019 wurde das gemeinsame Projekt „Land gewinnen“ mit dem Kunstpreis der Karl-Heinz-Knoedler-Stiftung ausgezeichnet. Im selben Jahr waren Müller & Sohn im Rahmen von Personal Structures im Kontext der 58. Biennale von Venedig vertreten.
Müller & Sohn ist die Schnittstelle zweier künstlerischer Biografien – und ein offener Raum für das, was zwischen ihnen entsteht.